Erster freiwilliger Helfer in unserer NGO Schule in KathmanduAls allererster Freiwilliger hat Hr. Robert Taferner aus Oberndorf bei Salzburg 2 Monate ehrenamtlich als Unterstützer in unserem Projekt in Kathmandu verbracht.
Robert hat sich in dieser Zeit schwerpunktmäßig um einen weiter verbesserten Englischunterricht sowie um den ersten Deutschunterricht gekümmert, er hat auch den ersten EDV-Unterricht abgehalten und die laufenden Mails an alle Pateneltern in Österreich und Deutschland von Englisch auf Deutsch übersetzt. Robert hat einen tollen Job gemacht, er war unserem Projekt eine große Hilfe und ist jederzeit wieder eingeladen, als unser Gast in unserem Projekt zu verweilen. Wir alle vom Projekt Österreichdorf wünschen Robert alles nur erdenklich Gute auf seinem weiteren Lebensweg und bei seinem Studium Recht und Wirtschaft. Hier kommt Roberts Erlebnisbericht: 2 Monate Kathmandu - mein Bericht Am 7. August hatte ich es geschafft. Ich stand zum ersten Mal auf asiatischen Boden. Hinter mir lagen insgesamt 9 Stunden Flug in 2 Teilen, vor mir der kahle Ziegelbau des Kathmandu Tribuvan Airport, der allen klar machte, dass er die Tür zu einer neuen Welt war. Vorbei an den Zollbeamten, bei dessen Englisch jeder Tourist dreimal nachfragte um dann aufzugeben, und den stehenden Förderband, neben das unser Gepäck getragen wurde, begab ich mich zum Ausgang wo ich Kul Ratna, den Leiter des Schulprojekts sowie der angeschlossenen Teppichmanufaktur in der Menge entdeckte, mit dem ich zur Schule fuhr. Fakten Nepal ist ein147 181 km² grosses Land, umgeben von zwei sowohl geographisch als auch wirtschaftlich ägrossen“ Nachbarn: Im Norden und Osten grenzt mit Tibet die Volksrepublik China an und im Süden und Westen Indien. Die Grenzen zwischen Indien und Nepal sind offen, sodass es einen grossen indischen Einfluss gibt: Zahlreiche Inder leben im Land, Musik und Filme werden importiert und Fernsehprogramme werden ausgestrahlt. Ausserdem stellt es den wichtigsten Handelspartner dar. Ob Autos, Fahrräder, Chips oder Haarshampoos, Nepal ist nach wie vor ein Agrarstaat und importiert fast alle Fabrikgüter. 24 Millionen Einwohner werden gezählt, allein 2 Mill. in Kathmandu. Rd. 80% bekennen sich zum Hinduismus, 10% zum Buddhismus, 4,2% zum Islam und ca. 3% zum Christentum. (Quelle. Fischer Weltalmanch 2005) Die Unterkunft In der Schule war ich gemeinsam mit 15 Schülern, dem Trekking-Koch Rubin, der äHausfrau“ (von den Kindern äMammi“ oder äTante“ und von den Erwachsenen äSchwester“ genannt) und dem jungen Lehrer Yuba Raj im Internat untergebracht. Das ist im 3. Stock der Schule und gliedert sich in die Küche, das Mädchen- und Buben-Schlafzimmer und das mir zukommende Gästezimmer, welches für dortige Verhältnisse luxuriös ausfällt und daher in etwa unserem Standard entspricht. Als ich am nächsten Morgen um 8 Uhr die Augen aufschlug, war das erste was ich erblickte ein paar Kinder die am Balkon standen und mich durch die Panorama Fenster des Zimmers anstarrten. Alsdann passte ich mich an den dortigen Lebensrhythmus an: 5:10 Aufstehen 5:15 erstmal mit einem süssen, köstlichen Milchtee und einem Blätterteigkeks so richtig munter werden, 5:25 Sonnenaufgang, anschliessend joggen oder im Schulhof Badminton spielen, worin insbesondere die vor der Arbeit spielenden Männer Meister sind, 7:30 Frühstück: Rubin hat Reis mit Gemüse (2 Varianten, am Feiertag stattdessen Fleisch) und Kichererbsensauce vorbereitet,, Gerne habe ich am Morgen auf meinen Teil Reis verzichtet und stattdessen von ihm köstliche Omelettes, Palatschinken mit Bananen oder Äpfeln, örtliche Spezialitäten oder Früchte erhalten. Das gesamte Essen ist unglaublich schmackhaft, frisch und von höchster Qualität- und stammt von Bauern aus Umgebung. Nach dem Frühstück ging es noch mal für kurze Zeit zurück zum Badminton, bis die hohe Temperatur und der nahe Schulbeginn den Stopp forderten. 9:30 Versammlung auf dem Schulhof, wo es in Reih und Glied ein paar kleine physische Übungen und ein Gebet gibt. Danach begeben sich die Kinder in ihre Klassen. 10:00 Unterrichtsbeginn: 16:00 Unterrichtsende Die Schule Es gibt 9 Klassen mit insgesamt mehr als 100 Kindern. (Exakt 113) Die Schulwoche erstreckt sich von Sonntag!!! bis Freitag, wobei es zweimal die Woche Musik und Tanzunterricht sowie am Freitag abwechslungsreiche Spiele, Wettbewerbe oder ähnliche Aktivitäten gibt. Klassen Alter Meine Fächer Nursery ab ca. 3 Jahren LKG (Unterer Kindergarten) UKG (Oberer Kindergarten) Klasse 1 ab 6 Jahren Englisch Konversation Klasse 2 Englisch Konversation Klasse 3 Englisch Konversation Klasse 4 Deutsch Klasse 5 Deutsch Klasse 6 Deutsch, Informatik Bei Englisch waren bereits Vorkenntnisse vorhanden, die jedoch- auch innerhalb derselben Klasse- recht unterschiedlich ausfielen. Während in der ersten Klasse der Unterricht eher auf spielerischer Basis ablief (z.B. Reime und Tierfotos waren am beliebtesten), konnten Schüler in den höheren Klassen durchaus komplexere Aufgaben lösen. In Deutsch wurde der Mangel an Vorkenntnissen durch ein höheres Mass an Motivation und Neugierde gegenüber der neuen und doch sehr unterschiedlichen Sprache weggemacht. Hier habe ich den Unterricht nach Gesprächsthemen (wie Begrüssungsfloskeln, Name, Gefühle, Farben, Uhrzeit, Herkunft …) aufgebaut. Zweimal pro Woche waren wir im Computerraum, der mit drei modernen PCs ausgestattet ist. Da die Class VI. nur aus acht Schülern bestand, übten meist drei Kinder das Tastaturstippen, während ich mit den übrigen anhand eines veralteten Buches Computer-Theorie durchnahm. An Programmen lehrte ich neben den Tippprogramm auch noch Word sowie gab einen Überblick über Windows. Das beliebteste Programm war jedoch zweifellos Paint, dem sie sich am Ende der Stunde oder danach mit Hingabe und Talent widmeten. Ich bekam den Eindruck, dass beinahe in jeder Woche ein Feiertag liegt. Ausserdem war in der letzten Woche komplett schulfrei, da zu dieser Zeit das wichtigste Hindu-Fest, genannt äDashain“ gefeiert wurde. Noch ein paar interessante Gegebenheiten und ein paar Worte zu den Unterschieden Zuvor war es für mich unvorstellbar, dass ein Land grosse Unterschiede aufweisen kann. Es war für mich faszinierend diese neue Welt zu erleben: keine Kanalisation, stundenlange Stromausfälle, Gasherde, keine Kühlschränke oder sonstige Küchengeräte, auf den Strassen 30 Jahre alte äKisten“, zwischen denen vereinzelt nagelneue Autos herausblitzen. Das es möglich ist, dass die Woche an einem anderen Tag startet. Telefonverbindungen, die dermaßen rauschten, dass es mir schwer fiel, etwas zu verstehen. Andererseits waren die Handys, die ich bei den Menschen sah, modern und aktuell. Eine Religiosität, die im Alltag und der Stadt ihren selbstverständlichen Platz einnimmt. Der in Tausenden gigantischen farbenfrohen und detailverliebten Tempeln, Schnitzereien und Statuen Ausdruck verliehen wurde bzw. wird. Der Natürlichkeit und der Tierreichtum: ich fand es immer wieder witzig den kletternden Affen, den Kühen, die sich durch nichts aus der Ruhe bringen liessen, und den streunenden Hunden zuzusehen. Meinen Augen traute ich kaum als ich Bussarde über der Schule kreisen sah. Kaum glauben konnte ich auch, dass die wenigen Laternen, die es rund um die Schule gab, von Hand eingeschalten werden mussten!!!! Dazu ging jeden Tag ein äNachtwächter“ von einem Scheinwerfer zum nächsten, um sie ein- bzw. auszuschalten. Ein wichtiger Punkt wo ich die Unterschiede schätzte, war das Essen: ich hatte noch nie so schmackhaftes Gemüse und Obst oder so köstlichen Tee. Kein Wunder, dass auch das Fleisch völlig anders schmeckte, wurde es doch erst vom Metzger beim Kauf geschlachtet bzw. bei religiösen Festen sogar erst zuhause. Hier die beiden Feste, die ich am besten in Erinnerung behielt: Tizee Tizee ist ein reines Frauenfest. Sie ziehen ab den frühen Morgenstunden in ihren schönsten; roten Gewand, geschmückt mit neuen Armreifen (15 Stück pro Arm sind keine Seltenheit!!) und mit schwarzen Henna-Tattoos auf ihrer linken Handfläche, zu den Tempeln, wo sie den ganzen Tag feiern, für ihren Ehemann beten, tanzen und singen. Jedoch müssen sie am gesamten Tag fasten, erst nach Einbruch der Dunkelheit nehmen sie Früchte zu sich. Die Männer treten allenfalls in der Rolle als Zuseher oder Musikant auf- nur ausserhalb der Tempel, da der Zutritt ihnen an diesem Tag verwehrt bleibt. Es war sehr unterhaltsam den Prozessionen zuzusehen, in denen die Frauen tanzten und sangen. Als wir am groessten Hindu-Tempel der Stadt ankamen hatte sich dort bereits eine Schlange gebildet, die mehrere Stunden Wartezeit erahnen liess. Dennoch setzten die Frauen ihren Gesang und ihre Tänze fort, ohne irgendeine Form von Nahrung zu sich zu nehmen. An diesem Tag hatte zum Glück der Wettergott ein Einsehen, sodass es einer der seltenen regnerischen Tage war. Schülerinnen erzählten mir später, dass sie schon um 4 Uhr zum 10 km entfernten Tempel aufgebrochen sind. Dashain Dashain wurde mir immer als das Äquivalent zu Weihnachten erklärt: Es ist das größte Fest der Hindus, die Kinder bekommen Geschenke (neue Kleidung), die Verwandten kommen zusammen und ein Braten wird aufgetischt. Es streckt sich über mehrere Tage, von denen jeder einen eigenen Namen hat. Am wichtigsten wird man vom Familienoberhaupt (Vater des Ehemannes) und Verwandten gesegnet. Dazu bringen sie einen roten Reis-Joghurt-Klumpen auf der Stirn an, streuen Blüten aufs Haupt und stecken Getreidegräser, die extra für diesen Zweck angesät wurden, hinters Ohr. Bei meiner Gastfamilie wurde vorm Haus eine Ziege geschlachtet und mit Nachbarn und Verwandten gefeiert. |
